Warum Endometriose den Kinderwunsch komplexer machen kann
Endometriose kann mit Schmerzen, Verwachsungen, Zysten an den Eierstöcken, Eileiterproblemen und Entzündungsprozessen verbunden sein. Nicht jede Endometriose führt zu unerfülltem Kinderwunsch, aber bei bestehendem Kinderwunsch sollte die Situation strukturiert beurteilt werden. Entscheidend ist, welche Form der Endometriose vorliegt, ob Operationen stattgefunden haben, wie alt die Patientin ist und wie lange der Kinderwunsch bereits besteht.
Die ESHRE-Leitlinie zur Endometriose behandelt sowohl Schmerztherapie als auch Fruchtbarkeit. Für Patientinnen ist besonders wichtig: Eine Operation, eine IVF oder weiteres Abwarten sind keine automatischen Antworten. Der passende Weg ergibt sich aus Befunden, Beschwerden, Eileiterfrage, Samenbefund und zeitlicher Dringlichkeit.
Welche Fragen im Termin geklärt werden
Im Erstgespräch wird geordnet, welche Befunde vorhanden sind: Ultraschall, OP-Berichte, histologische Befunde, frühere Hormontherapien, Schmerzverlauf, Zysten, AMH-Wert und Spermiogramm. Daraus lässt sich besser beurteilen, ob weitere Diagnostik notwendig ist, ob eine Kooperation mit einem Kinderwunschinstitut sinnvoll wird oder ob zunächst Zyklus und Eisprung beobachtet werden.
Besonders vorsichtig muss man mit der Eierstockreserve umgehen. Wiederholte Operationen an Endometriomen können relevant sein. Gleichzeitig kann unbehandelte oder fortschreitende Endometriose ebenfalls belastend sein. Eine gute Besprechung wägt daher nicht nur "Operation ja oder nein" ab, sondern fragt: Was bringt die Maßnahme für genau diese Patientin?
Praktische Vorbereitung
- OP-Berichte und Histologie, falls Endometriose bereits operativ bestätigt wurde.
- Aktuelle Ultraschallbefunde und Informationen zu Endometriomen.
- AMH-Wert oder andere Hormonwerte, falls vorhanden.
- Angaben zu Schmerzen, Zyklus, Blutung und früheren Behandlungen.
- Spermiogramm, wenn bereits vorhanden.
Betreuung bis Schwangerschaft und Geburt
Wenn eine Schwangerschaft eintritt, kann die Vorgeschichte weiterhin wichtig sein. Prof. MR Dr. Gill verbindet Kinderwunschabklärung mit Gynäkologie und Geburtshilfe. Dadurch kann die weitere Schwangerschafts- und geburtshilfliche Betreuung mit Blick auf die bisherige Situation individuell besprochen werden.